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 Betreff des Beitrags: Unsere Auswanderung
BeitragVerfasst: Sa, 15 Mär, 2008 15:46 
Unsere Auswanderung

Die Vorbereitungen und das Leben danach



Die Vorgeschichte

Zum Anfang, WIR sind, Jörg (41), Marlene (29), Leon (8), Dominik (5) und Dustin (2)

Eigentlich war ja alles ein bisschen anders geplant, aber wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders und zweitens wie man denkt. Denn als wir uns 2004 dazu entschlossen haben auszuwandern, fiel die Wahl auf Kanada. Drei Jahre harte Arbeit und Vorbereitungen,
Bewerbungen schreiben mit unzählbaren Ämtern und so weiter reden, um dann festzustellen das unsere Ausbildungen nicht anerkannt werden. Alles umsonst? Weiterhin in Deutschland dahin siechen?
Im April überraschte ich dann Jörg mit einem Kurzurlaub nach Schweden und zwar ohne Kinder. Zum einen um unsere ausgesetzte Hochzeitsreise nachzuholen, zum anderen um einen kleinen Teil der Familie wieder zusammen zu führen.
Also machten wir uns von Nürnberg aus auf den Weg nach Schweden. Als wir dann in Trelleborg angekommen waren und von dort aus in Richtung Kalmar fuhren, waren wir einfach nur überwältigt von der Schönheit des Landes. Und das schönste war das aufwachen mit dem Blick auf einen fast unersättlichen Sees. Unterm Tage gingen wir von Kommunen, zu Arbetsförmedlingen und von dort aus zu den Firmen die Mitarbeiter suchen. Und innerhalb von nur 5 Tagen stand für uns fest, Dies wird unser neues zuhause. Vielleicht etwas Blauäugig und übereilt, aber ganz bestimmt. WIR haben uns verliebt.


Die Vorbereitungen

Wieder zurück in Deutschland haben wir sofort versucht alles Mögliche über Schweden zu erfahren. Unter anderem haben wir uns da hier im Forum angemeldet. Der Entschluss aus Deutschland weg zugehen fiel ja schon vor drei Jahren, also mussten wir darüber nicht mehr Diskutieren. Es blieben nur die Fragen wie und wann und wohin genau!

Wohin? Auf keinen Fall direkt in eine Stadt. Wir lebten auch in Deutschland in einem kleinen Dorf ausserhalb von Nürnberg. Und bitte auch nicht zu weit im Norden (zu dunkel).
Die Wahl war schnell getroffen und begrenzte sich auf Kronoberg und Kalmar län. Wahrscheinlich auch mit um in der Nähe der restlichen Familie zu sein.
Unter hemnet und blocket.se versuchten wir für uns 5 eine Unterkunft zu bekommen und wurden dabei auch kräftig von Tante und Kusine unterstützt. An dieser Stelle ein grosses DANKESCHÖN!!! Denn durch Freunde der Tante fanden wir dann ein kleines Häuschen in Alsterbro.

Wie? Nachdem eine Unterkunft gefunden war, befassten wir uns mit der Frage, alles mitnehmen oder in Schweden Neu kaufen. Dazu hatten wir im Forum gepostet um die Erfahrungswerte von anderen zu bekommen. Mit eigentlich einschlägigen Antworten.
NEU! Und nachdem das Haus möbliert vermietet wurde, verkauften, verschenkten und verschrotteten wir unseren kompletten Hausstand (bis auf ein paar Kleinigkeiten). Wir nahmen lediglich unsere Kleidung, Geschirr, Werkzeug und die Spielsachen der Kinder mit.
Unser ganzes Leben passte nun in einen Chrysler Voyager, einen 250cm langen Hänger und in einen Fiat Punto. Dies war der erste Augenblick wo ich mich fragte, Ist das wirklich der richtige Weg? Was ist wenn’s schief geht? Du hast alles aufgegeben was du hattest, dein Haus, Nagelneue Möbel, ALLES halt.

Wann? So schnell wie möglich! Wir hatten schon genug Zeit verloren mit Kanada. Das Geschäft von meinem Mann lief immer schlechter, die Kunden zahlten kaum noch, trotz Selbständigkeit bekamen wir Hartz IV. Da unser grösster ja schon zur Schule ging, stand auch fest dass es nicht im laufenden Schuljahr passieren sollte, und da gerade die Sommerferien vor der Tür standen, entschlossen wir uns im August Deutschland zu verlassen.

Während dieser Zeit schrieben wir beide natürlich wie verrückt Bewerbungen, telefonierten mit potenziellen Arbeitgebern und bei Jörg hatten wir auch schon eine mündliche Zusage von einer Firma als Betriebselektriker. Von Deutschland aus meldeten wir auch die Kinder in der Schule und im Kindergarten an, damit alles seinen Gang geht, wenn wir dann da sind.

Im Juli dann die Überraschung. Lese unter ams.se die Stellenanzeigen und denk mir, die passt. Wie üblich ruf ich bevor ich eine Bewerbung schicke dort an um die Chancen abzuchecken und hab doch glatt nen deutschen am Hörrohr. Schnell wurde ein Vorstellungsgespräch ausgemacht. Was dies brachte schrieb ich ja auch schon in einem thread. Nämlich garnix, ausser Kosten.

Endlich August, unser Haus war übergeben, die Firma geschlossen nur noch ein paar Tage.
Am letzten Abend dann die Abschiedsfeier mit Freunden und Bekannten. Die grosse Überraschung, selbst einige Kunden kamen und wollten sich verabschieden. Eigentlich hatten wir uns ja ganz fest vorgenommen nicht zu heulen, aber als man sich dann verabschiedete war kein halten mehr.

Die Abreise

26 August 2007, DER Tag. Die Kinder eingepackt, die letzten Sachen verstaut und dann nach Nürnberg um meine Mutter abzuholen die mitfahren soll (fliegt 10 Tage später wieder nach Nürnberg). Gesagt getan. Ab auf die Autobahn. Jörg fährt mit dem Hänger voran. Plötzlich, noch keine 50 km von Nürnberg entfernt, Qualm, Rauch und dann der Stop mitten auf dem Hiehnberg. Kühler geplatzt. Und das am Sonntag. Sollte uns das etwas sagen?
Zum Glück sind bzw. waren wir ADAC Mietglied, also anrufen und abschleppen lassen.
Und nun die Gewissens Frage, beide stehen bleiben oder alleine weiter fahren?
Wir entschlossen uns zum weiter fahren. Jörg hatte sich an den nächsten Schrottplatz schleppen lassen und übernachtete dort. Ich fuhr mit meiner Mutter und den Kindern weiter.
Ganz ehrlich, ohne meine Mutter wäre ich nicht weiter gefahren. Ich bin ein absoluter geografischer Trottel. Und ohne Navi bin ich total aufgeschmissen.
Aber wir haben es geschafft. Am Montagnachmittag waren wir in Alsterbro.
Doch mal ganz ehrlich, NEIN nie wieder werde ich das tun. Mal davon abgesehen das ich von der Fährüberfahrt nichts anderes als die Toilette gesehen habe, würde ich nie wieder in einem so kleinem Auto wie einem Fiat Punto mit 3 Kindern so eine Strecke fahren. Eingequetscht wie die Ölsardinen und das Gequengel in einer Lautstärke wie auf einem Rockkonzert.

Jörg konnte dann am Montag früh auf dem Schrottplatz einen gebrauchten Kühler ersteigern und nach dem Einbau weiter fahren. Auch für Ihn war das ganz schön hart. Ganz allein.
Aber wenigstens war ich nicht die Einzigste die nur die Toilette gesehen hat. Nur mit dem Unterschied das bei Jörgs überfahrt ein Sturm war. Doch am Dienstag früh war auch er endlich angekommen.

Die ersten Tage

Gleich am Dienstag rief Jörg dann bei der Firma an wo er die mündliche Zusage bekommen hatte um zu erfahren wies denn jetzt nun ausschaut. Keine Reaktion. Absoluter schock.
Donnerstag dann der Weg aufs Arbeitsamt damit wenigstens ein bisschen Geld reinkommt, da ich E 303 beantragt hatte. Danach aufs Skatteverket um die Personennummern zu beantragen. Dort dann das erste Problem. Zur Anmeldung müssen wir die Kinder mitbringen und eine Bescheinigung das ich das alleinige Sorgerecht für Leon habe. Also nach Hause fahren, mit dem Jugendamt in Deutschland telefonieren und das gewünschte schreiben beantragen um die Antwort zu bekommen, Frau Wettel da müssen Sie schon bei uns vorbei kommen. Ganz ehrlich? In diesem Moment wusste ich nicht ob ich heulen oder lachen soll. Nach einigen weiteren Telefonaten dann endlich die Zusage das man uns die beglaubige Abschrift zuschickt. Weiterhin die ständige Anfrage in der Firma wo Jörg eigentlich anfangen wollte. Nichts! Nebenbei die ständige Suche nach einem anderen Arbeitsplatz und die Suche nach einer anderen Unterkunft. Das Haus ist echt süß und als Ferienhaus oder für maximal 3 Personen auch vollkommen ok. Aber für 5 mann sind 65 m² definitiv zu klein. Oder bin ich da tatsächlich zu Anspruchsvoll? Ich bin wirklich dankbar dafür dass wir dort wohnen konnten.

Streifzüge durch die Makler und dann der Joker, eine Deutsche Maklerin die ebenfalls in Alsterbro wohnt. Man spricht sehr lange miteinander und erfährt dass der Mann selbständig ist und Hilfe gebrauchen kann. Mit dem von uns ausgesuchten Haus wird es leider nichts, dafür aber mit der Arbeit. Auch wenn’s nur aushilfsweise ist, ein paar Kronen bringts auf jeden Fall. Mittlerweile sind wir sehr gut befreundet.
Der Anfang ist getan. Jetzt sitzt einem zumindest in dieser Sache nicht mehr die Zeit im Nacken. Natürlich ist dies kein Dauerzustand aber wenigstens etwas.

Drei Wochen später waren dann auch die gebrauchten Unterlagen aus Deutschland da und wir konnten uns offiziell anmelden. Eineinhalb Wochen später hatten wir dann unsere Personennummern.

Die Kinder

Mitte September konnte Leon dann in die Schule gehen. Wir hatten ja schon in Deutschland schwedisch gelernt und so war die Eingewöhnung nicht ganz so schlimm. Woche auf Woche wurde sein schwedisch besser, und nun, ein halbes Jahr danach spricht er in der Schule fast nur noch schwedisch.
Die zwei kleinen konnten dann ab Oktober in den Kindergarten. Dominik hatte schon ein paar Probleme mit der Eingewöhnung und der Sprache, aber auch bei Ihm wird es besser und besser. Na ja, und Dustin hatte überhaupt keine Schwierigkeiten. Er versteht alles was man ihm auf schwedisch sagt und er redet, wenn, dann meistens auch nur schwedisch.
Der Anschluss an Freunde war auch schnell gegeben. Die Kinder werden oft zu Geburtstagen eingeladen oder einfach nur am Nachmittag zum spielen. Ich kann mir nichts schöneres für die Kinder wünschen.
Selbst Leon, bei dem in Deutschland ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität) diagnostiziert wurde und auch medikamentös eingestellt wurde, lebt hier in Schweden wieder als „normales“ Kind. Im Januar wurden die Tabletten abgesetzt. Er ist zwar ab und zu leicht unkonzentrierter in der Schule, hat aber die Möglichkeit in diesem Augenblick einfach mal aufzustehen und sich kurzzeitig zu bewegen oder einfach eine kleine Pause zu machen. Das muss man sich mal vorstellen. In Deutschland unvorstellbar.

Endlich eine Arbeit

Im Dezember endlich die Zusage und ein Arbeitsvertrag für Jörg. Jetzt arbeitet er als Servicetechniker bei einer Firma die Windkraftanlagen baut.

Unser Haus

Ebenfalls im Dezember fanden wir unter blocket.se eine Hausverkaufsanzeige für ein Haus direkt in Alsterbro. Also nichts wie anrufen und einen Besichtigungstermin ausgemacht.
Ein Traum, ein riesen Haus mit grosszügig geschnittenen Räumen und mehr als genug Platz.
Nur 200 m bis zum See mit einem schönen Grundstück dazu. Und der Preis, ein absolutes Schnäppchen. Die Frage: Wo ist der Haken?
Nochmalige Besichtigung mit einem Spezialisten, keine Probleme.
Also, nix wie auf die Bank und nach einer Finanzierung gefragt. Da wir 30% angezahlt haben ist auch dies kein Problem.
Und so konnten wir am 12 Dezember 2007 in UNSER eigenes Haus einziehen.


Anderes

Ich habe leider bis jetzt noch keine Arbeit gefunden. Überall wurde mir gesagt, wenn Sie ihren Abschluss in der Sprachschule gemacht haben, können Sie sich wieder melden.
So unterschiedlich ist es eben.
Jörg spricht immer noch kein Wort schwedisch und hatte glück, da die Betriebssprache englisch ist (Internationelle Firma). Ich habe am 10. Januar mit dem SFI Kurs angefangen, der ja normal in 4 verschiedene Stufen aufgeteilt ist (A, B, C und D). Ich fing mit C an.
Am 6. März habe ich meine Abschlussprüfung für A, B, C und D geschrieben. Ergebnis: MVG

Nun hoffe ich, dass auch für mich bald das Arbeitsleben losgeht. Ein Anställningsintervju hatte ich diese Woche und am Dienstag nächste Woche habe ich noch eins. Vielleicht hab ich ja auch endlich Glück.

Schreckliches

Leider gibt es nicht nur gutes zu berichten. Im Februar hatte mein Mann einen schrecklichen Unfall, wobei er sein rechtes Auge verlor.
Aber auch hier muss man sagen das Schweden in jeder Beziehung vor Deutschland steht.
Die medizinische Versorgung und auch die Kommunikation absolut prima. Jederzeit wurde versucht einen Deutschsprachigen Arzt hinzuzuziehen, um Missverständnisse auszuschliessen.
Die Reaktion von seinem Chef, für einen Deutschen unfassbar. Egal was ist, du hast deinen Job. Werd wieder gesund und pass auf dich auf.


In diesem Sinne

Ha det så bra önskar Jörg, Lene, Leon, Dominik och Dustin


PS.: Bilder folgen in Kürze


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Sa, 15 Mär, 2008 17:09 
Hejsan ihr Lieben,

Bild

zu euren Start ins neue Leben!!

Das mit dem Unfall von Lörg tut mir sehr leid!! :YYBI:

Ich wünsche euch vom Herzen alles Gute!!

Danke für diesen tollen Bericht!! :rosen:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 20 Mär, 2008 8:03 
Hallo :gurke:

na wo bleiben denn die versprochenen Bilder????????

Freue mich für euch das alles gut geklappt hat mit eurer Auswanderung und wünsche deinem Mann gute Besserung :alg8:

Das sich deine Kinder so schnell eingelebt haben finde ich klasse,aber das hört man ja immer wieder wie schnell das bei Kindern geht....
So eine entspannte Schule würde ich mir für meine Tochter auch wünschen,aber davon sind wir hier weit entfernt...leider....

Liebe Grüße
Katja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Fr, 28 Mär, 2008 23:45 
Hej Jörg mit Anhang

Echt schöner Beitrag.Deinem Mann Gute Besserung und viel viel viel Glück in eurem neuen Leben

Lg Michel


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