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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 15:17 
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Jetzt muss ich doch noch meinen Senf dazu geben.

Ich lebe jetzt seit fast 37 Jahren hier in Schweden. Ich fühle mich wohl obwohl ich auch sehe was nicht gut ist.
Meine Kinder und enkel, Geschwister, Nichten und Neffen, ja meine ganze Familie lebt in Deutschland. Habe auch mehrere Freunde noch dort und viele Bekannte.
Bin deswegen auch noch immer gut über das Leben in Deutschland informiert.

Als ich nach Schweden ging war es weil mir das etwas ruhigere Leben gefiel. Geplant war nicht dass ich so lange bleibe aber ich blieb hängen hier sozusagen.
Mein GG ist Schwede und er könnte sich nicht vorstellen nach Deutschland auszuwandern. Er fährt zwar gerne nach D und stöbert gerne durch die Geschäfte dort aber er geht überhaupt gerne einkaufen (hat auch seine Vor und Nachteile....)

Als wir noch unser Womo hatten fuhren wir gerne im Frühjahr eine Woche nach Norddeutschland. Er liebte das obwohl es vieles gab was er unmöglich fand. Z.B. dass man auf den Campingpätzen für jeden Tropfen Wasser extra bezahlen musste und so einiges anderes.

Was mir am Anfang fehlte waren die Metzgereien, wenn einem der Metzger die Fleischstücke von allen Seiten zeigt usw.
Bäckereien, ja fand ich auch immer gut aber mir ist mittlerweile das deutsche Brot zu sauer (ich esse auch kein gesüsstes Brot....) Aber die frischen Semmeln/Brötchen sind dort schon besser. Aber es bürgert sich auch dort mehr und mehr ein dass sie Rohlinge aufbacken.

Daniella ich weiss ja nicht wo du wohnst aber wir fahren ab und zu in den Nachbarort um zu Cittygross zu gehen und Fleisch zu kaufen. Nicht ein einziges Fleischstück ist dort vakuumverpackt. Falls ich dort nicht finde was ich will, drücke ich auf einen Klingelknopf und ein Metzger kommt und fragt nach meinen Wünschen.

Behörden, ja wer hat schon gerne mit Behörden zu tun, ich nicht.....
Aber man soll nicht immer über die schwedischen Behörden meckern, keine übertrifft die deutsche Rentenbehörde. Die kosteten mir den letzten Nerv.

Wenn man hier Rentner wird, muss man ja die Rente beantragen. Bei mir war es noch FK und nun ist es Pensionsmyndigheten. Da wir hier auch bei der Euch sind, setzten sie sich auch mit der deutschen Rentenbehörde in Verbindung. Da begann der Zirkus.

Man kriegt ja immer wieder mal die Aufstellung über seine Zeiten. 3 oder 4 viermal waren die Kindererziehungszeiten weg. Jedesmal meinten sie ich müsste Originalgeburtsurkunden von mir und meinen 3 Kindern einschicken.

Als die Rente beantragt wurde, war es wieder das gleiche. Nichts stimmte und als dann die Beamtin oder Sachbearbeiterin meinte sie seien ja schlieslich umgezogen und da kann schon was verloren gehen :twisted: da kriegte ich fast die Krise. Natürlich wollten sie wieder Originalurkunden usw.
Ich sagte nur dass ich nie mehr zu so einem schlampigen Verein/Behörde irgendwas im Original sende.
Ich gab ihnen 1-2 Wochen Zeit und dann wollte ich richtige und komplette Unterlagen haben. Wenn nicht dann gehe ich einen Schritt weiter.

Auf meine Frage ob sie denn keine E-mail haben bekam ich die Antwort. Ja irgendwo haben wir schon eine E-mailadresse aber da schaut nie jemand rein......
Und hier klagt oft deutsche dass sie eine E-mail an eine Behörde schickten und nicht gleich Antwort bekamen.
Klagt nicht, in Deutschland ist es schlimmer.

Ja und dann Finanzamt. Ich bevorzuge das schwedische. Rufe ich dort an, kriege ich eine auskunft.....
Da ich ja auch von meiner deutschen Arbeitszeit eine Rente bekomme, wollen die natürlich Steuern. Alles OK nur sollen sie halt richtig rechnen und schreiben so dass Otto Normalverbraucher das auch versteht.
GsD habe ich eine tochter die mit Steuer arbeitet und die hat meine Vollmacht bekommen. Mich würden die ja übers Ohr hauen.

Ja und das Gesundheitswesen. In Schweden ist das grottenschlecht. Leider ist es auch in D schlechter geworden. Es ist auch dort nicht mehr das was es war.
Ich könnte, leider, einen ganzen Roman schreiben über das aber ich will eich das ersparen. Leider machte ich schon oft Bekanntschaft mit schlechtem Gesundheitswesen.
Ich gehe z.B. seit 1992 zu der Gleichen VC hier, es gibt ja nur eine in unserem Stadtteil. 22 Jahre hatte ich den gleichen Arzt. Vor ca 2 Jahren ging er in Rente und nun bin ich auf der Suche nach einer anderen VC. Ärzte kommen und gehen, genauso mit den schwestern. Bevor man ja überhaupt einen Termin beim Arzt bekommt muss man zu eine rKrankenschwester. Und die sind manchmal unmöglich, null A>hnung. GG erlebte das vor 2 Wochen, z.B. ein FAR rezept, sowas gäbe es dort nicht. Klar sie wusste nicht was es ist.
Als mein Holder dann einen Arzttermin wollte, wollte sie ins Detail wissen warum. Er weigerte sich der Frau alles zu erzählen.

Bis vor 2 Jahren konnten wir unseren Arzt am Morgen anrufen. OK man kam nicht6 immer durch aber dann versuchte ich es eben wieder am nächsten Tag. Viele Besuche erledigten so. Mein Arzt kannte mich in und auswendig.

Ich könnte weiss Gott wieviel schrieben jetzt.

Frei wo ist Fremdenfeindlichkeit?

framsidan


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 16:17 
Hej, erstmal nur ein Kommentar betr. Citygross; Das stimmt nicht so richtig was Du von Citygross schreibst...Die sind sogar stolz auf ihrer Webseite, www.citygross.se, das alles Fleisch vakuumverpackt ist. Natürlich gibt es raum für gewisse Wünsche von den Kunden, aber der Prinzip ist das alles vakuumverpackt ist. Dieses gilt sämtliche Geschäfte im Land, es ist die Policy. Ausserdem, google mal Citygross anklagas för bluff" Da kannst Du mal lesen, dass das Fleisch schon fertig gepackt an das Geschäft kommt. Es wird umgepackt bei C.G. Dafür werden jetzt viele feriearbeiter benutzt, von wegen "styckmästare" (=metzger)

Habe noch andere Kommentare zu Deinem intressanten Post (und Iamborns SEHR intressante postfolge will ich natürlich auch beantworten)

Muss erstmal noch zur tvättstuga/bis gleich


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 16:41 
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Registriert: 12.01.2009
Beiträge: 370
Daniella wie gehts in in der Tvättstuga? hade vi igår.

Cittygross i Ytterby hat nichts, gar nichts vakummverpackt und ich finde auch nichts dazu in deinem Link.

Bez. Cafés, ich ging früher auch ganz gerne mal in ein Cafe. Jetzt nur noch selten, ab und zu mal bei Plantagen. Ich wohne ja am Stadtrand denn in der Stadt will ich nicht wohnen aber auch nicht in eoner Einöde. Aber das wählt man ja selbst........

Ich mag gerne nette Nachbarn und wenn wir im Sommer uns draussen hinsetzen sind wir schnell mehrere. Ein netter Ratsch ist immer schön.

Du willst torten, ich nicht. Ich mochte noch nie die torten nur Käsesahne. Die mag ich. Und im Herbst gerne einen Zwetschgendatschi mit einem Klick Sahne drauf. Den muss ich mir ja nun auch selber backen wenn ich den will.
Da aber ein ganzen Blech voll zu viel für uns zwei ist, teile ich dann immer den Rest hier aus. An alte (ältere wie wir), kranke und einsame.

Aber um an Zwetschgen zu kommen müssen wir in einen anderen Stadtteil fahren, dort ist ein qausländischer Gemüsehändler und der hat sie auch.

framsidan


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 16:49 
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Registriert: 28.08.2012
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Daniella hat geschrieben:
Aber in VIELEN fällen wird eine schon schlechte situation zu unerträglich, bis der individe aufgibt. (Und nicht selten in der Psychiatrie landet). Vor allem Junge Menschen, die manchmal zwischen schule und Arbeit in finanzieller not sind, müssen darunter leiden.


Das ist glaube ich ein Problem hier: die Gesellschaft versagt darin, ihr Ideal zu verwirklichen, und die Leute, die dabei hinten runter fallen, werden in die Psychiatrie gebracht, da ja offenbar etwas mit ihnen falsch sein muss. Dass man Arbeits- und Perspektivlosigkeit mit den Mitteln der Medizin (auch nicht denen der psychiatrischen Medizin) nicht beheben kann, wollen die Verantwortlichen nicht hören, und so eskalieren hier Diagnosen wie "ångest och depression", "autism", "ADHD" und es wird fleißig Medizin ausgeschrieben, unter anderem Beruhigungsmittel (die jedoch offenbar vor allem von den Allgemeinmedizinern).
Ein recht neuer Trend ist, dass solche Patienten (die dann irgendwann eine Schmerzproblematik entwickeln) statt einer psychosomatischen Behandlung (die hier im Prinzip unbekannt ist) Opiate erhalten, die natürlich nach einer Zeit dann den Effekt verlieren... dann wird erhöht, und schließlich wird der Kontakt mit dem Schmerzmediziner (oft Anästhesisten) als abgeschlossen erklärt, und dem armen Allgemeinmediziner eine "nedtrappning" der Opiate empfohlen und der Verdacht geäußert, der Patient könnte eine Abhängigkeit entwickelt haben... surprise, surprise!
Zum Glück gibt es kluge Kollegen in der Schmerzmedizin, und wenn man solche trifft, kann man den Patienten zusammen gut helfen, auch wenn die das zunächst einmal gar nicht so gut finden, dass sich da zwei Ärzte scheinbar gegen sie verschwören... aber nach einem Jahr verändert sich die Sicht deutlich.
Dass es auch in D soziale Probleme gibt, weiß ich auch, aber man ist wenigstens ehrlich und psychiatrisiert weder die Konsequenzen sozialen Elends noch bspw. Straftaten. Hier in Schweden ist jeder, der eine Gewalttat begeht, im Prinzip automatisch psychisch krank.
Dass ein freier Wille immer auch die Freiheit beinhaltet, etwas Böses zu tun, darf in dieser Gesellschaft nicht sein, und ich frage mich, ob da nicht ein wenig dialektischer Materialismus durchschimmert...

Ich habe die letzten 6 Jahre damit verbracht, Medizinstudenten an unserer Universität und junge Ärzte hier im landsting in der Psychiatrie auszubilden, und habe versucht, eine Psychiatrie zu vermitteln, die den Patienten im Blick hat und auf die man stolz sein kann.
Jetzt, mit aller Wahrscheinlichkeit am Ende meiner Karriere in dieser Fachrichtung, habe ich noch einmal das Privileg, einige dieser angehenden Kollegen direkt in der klinischen Wirklichkeit zu erleben (und nicht mehr nur indirekt als Studierektor), nachdem ich selber aus der Lehre ausgestiegen und vorübergehend (jetzt noch eine Woche) in die Klinik zurückgekehrt bin.
Es sind fantastische junge Kollegen, und man kann stolz sein auf diese hoch motivierten, tüchtigen, genuin am Patienten interessierten jungen Menschen, die sich enorm anstrengen, um im Einzelfall das beste für ihre jeweiligen Patienten zu erreichen, und die alles, was sie lernen können, förmlich aufsaugen.
Und es ist schön, noch mal zu sehen, wie erfüllend und spannend es sein kann, als klinischer Psychiater zu arbeiten, ehe ich wieder Assistenzarzt und (dann hoffentlich) Pharmakologe werde.

Leider bin ich lange genug studierektor gewesen und habe hinreichend viele solcher Kollegen gesehen, die dann, wenn sie Fachärzte werden und plötzlich mit Arbeit und unmöglichen Aufgaben überschüttet werden (unter anderem, weil das landsting Geld sparen will und nicht genug Ärzte anstellt); einige werden krankgeschrieben, andere hyrläkare, wenige springen ab und machen etwas leichteres; die meisten aber passen sich an, oft unter Entwicklung von Strategien, die von Quickfixes geprägt sind, weil man ansonsten in den bestehenden Strukturen einfach nicht überlebt.
Und das scheint es in allen Fachrichtungen zu geben, wenn ich sehe, wie in Schweden oft Medizin betrieben wird. Das, was ich in D in allen Praktika und auch noch in den fast 10 Jahren meiner eigenen Berufstätigkeit in D gesehen habe, nämlich das Streben, den ganzen Patienten zu sehen, und in erster Linie Arzt und in zweiter Chirurg, Internist, Psychiater... zu sein, gibt es hier schlicht nicht als Ideal. Im Gegenteil, hier ist man (und das ist explizit so) in erster Linie und oft ausschließlich Bauchchirurg, Gastroenterologe, ... die anderen Probleme soll ein anderer fixen. Im besten Fall schreibt man einen Remiss "för övertagning", auch ein Phänomen, das ich aus D nicht kenne. Dort hat man Kollegen um Rat gefragt, und der/die gefragte KollegIn hat dann gesagt, dass er/sie das besser lösen kann... hier will man Patienten, die nur eine Ahnung kompliziert sind, loswerden, weil man eben keine Betten hat, oder durch die vielen oft sinnlosen möten keine Zeit für die Patienten.
Es gibt Ausnahmen, aber das sind Persönlichkeiten, die herausragen und sich nicht haben brechen oder biegen lassen.

Daniella hat geschrieben:
Obwohl es im gesetz steht, das der staat (oder kommune) für den volljährigen individen sorgen muss, müssen Eltern (so wie es in D verlangt wird) oft den erwachsenen Kindern helfen. Diejenigen die keine Eltern haben die das können, fallen durch. Glücklicherweise passiert es nicht immer und nicht überall, aber glaub es mir, eine seltsamheit ist es auch nicht.


Nein, leider nicht.
Auch das gibt es in D, aber dort lügt man wenigstens nicht.

Daniella hat geschrieben:
Schule genau wie sozialsystem; leben viele Deutsche im glauben das erstens: Alle Skandinavischen länder haben das gleiche Schulsystem. Ist ja ganz falsch. Und zweitens: es ist vorbildlich. Das Wort Vorbild in kombination mit schule möchte ich Finland zuschreiben. Nicht diese ständige veränderungen die den letzten 25 jahren zur KEINER verbesserung führte. Lehrerlegitimation, neues notensystem, weg mit der 'katederundervisning', kommunalisierung und und und. Auf den Gymnasien hat man mehr und mehr stoff das vorher zu dem högstadium hörte, und das gymnasienstoff kommt in die universitäten. Und so langsam geht es weiter (runter)...


Das ist in der Tat ein sehr konkretes Problem und wir haben das deutlich gemerkt: die Klausuren im ersten Semester, die 2011 noch leicht geschafft wurden, packen mehr und mehr Studenten heute nicht mehr, weil einfach immer öfter Grundlagen fehlen. Nun bin ich raus aus der Institution, aber wir haben zuletzt ernsthaft diskutiert, ob unsere Studenten ein Jahr brauchen, um diese Grundlagen zu bekommen, die eigentlich Gymnasiuminhalte sind.
Und nota bene: wir reden hier über Medizinstudenten, also die Gruppe, die sich aus den 2% der Schüler mit den besten Schulnoten rekrutiert, und die allesamt Naturwissenschaften auf dem Gymnasium gelesen haben müssen, sonst kommen sie gar nicht rein. Zum Verständnis: in Schweden gibt es kein Abitur im deutschen Sinne ("allgemeine Hochschulreife"), sondern spezialisierte gymnasiale Ausbildungen, die, je nach Ausrichtung, "behörighet" für die eine oder andere Hochschulausbildung geben (aber nicht immer), und zum guten Teil Lehrberufen in Deutschland entsprechen (Florist, Tischler, Schneider...).

Daniella hat geschrieben:
Ich sage nur " Sverige lever på sina gamla meriter".

Besser kann man es nicht sagen.

ronja hat geschrieben:
Mir hat es einen Schock gegeben, als ich in S mal erlebte, wie einen rüstige 70-jährige pensionierte Musikerin, die leider von der Leiter gefallen und sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte, und sich im Krankenhaus deshalb grämte, weil sie nicht wusste, ob sie in ZUkunft noch weiter ihr schönes Haus allein bewohnen und instandhalten kann und etwas down war, umgehend mit Psychopharmaka zwangsbehandelt wurde, die sie überhaupt nicht wollte! Deshalb möchte ich hier eigentlich nicht wirklich alt werden...

Zum Glück ist die Zwangsbehandlung in solchen Situationen selten (da muss ein Psychiater dabei sein), aber mit psychopharmaka sind hier vor allem die nicht aus der Psychiatrie kommenden Kollegen schnell bei der Hand. Leider allerdings auch die Kollegen in der Kinder-Jugendpsychiatrie, vor allem, wenn es um Centralstimulantia geht, die ja wirklich keine harmlosen Medizinen sind.
Habe gerade mal einen Blick in die aktuellen Zahlen für Medikamente geschaut: unter den 20 gewöhnlichsten Medizinen finden sich zwei Antidepressiva (Citalopram und Sertralin) und ein Schlafmittel mit Abhängigkeitspotential (Zopiklon). Erfreulich: kein Benzo mehr, was noch vor kurzem anders war.
Aber wenn man mal rechnet, so entspricht die verschriebene Menge einem Zustand, als würden 2015 von 9.8 Mio Einwohnern (vom Baby bis zum Greis, Stand Mitte 2015):
- 164.383 Frauen Sertralin (Antidepressivum, Platz 11, +9,4% seit 2014)
- 128.767 Frauen Citalopram (Antidepressivum, Platz 16, -2,9% seit 2014)
- 87.671 Männer Sertralin (Antidepressivum, Platz 18, +10,5% seit 2014)
in der normalen Dosierung nehmen. Das entspricht ungefähr der Zahl der Einwohner von Malmö+Lund (wobei die Frauen Malmö füllen, und die Männer Lund)
Ich bin nicht gegen die Verschreibung von Antidepressiva, aber diese Mengen sind zu hoch.
Läuft irgendwas schief in dieser Gesellschaft, wenn es vor allem Frauen, und vor allem jungen Frauen zunehmend schlechter geht?
Die explodierenden Zahlen zu selbstbeschädigendem Verhalten in dieser Gruppe und zu den Drogentoten (in beiden Geschlechtern) sind meiner Meinung nach besorgniserregend...
Vor allem was die Drogentoten betrifft, so haben sich die beiden Länder 2006 getrennt. Deutschland hat seitdem sinkende Zahlen, Schweden steigende und liegt derzeit auf dem dreifachen Niveau von Deutschland. Schweden hat auch vorher leicht höher gelegen, aber bis 2006 liefen die Kurven im Prinzip parallel.
Schaut man das Schlafmittel ein, das mir Sorgen macht:
- 142.465 Frauen (Platz 14, +0,9% seit 2014)
- 82.191 Männer (Platz 19, +1% seit 2014)
Das entspricht, um es mal bildhaft zu machen, ungefähr Örebro (Frauen) + Lund (Männer)
ronja hat geschrieben:
Aber was diese ORientierungslosigkeit angeht, das sehe ich in anderen europäischen Ländern genauso. Man schaue nur, wie in D die AfD auf dem Vormarsch ist. Oder GB nach dem Brexit. Und die nächste Wirtschasftskrise kommt bestimmt.

Ja, das gibt es sicher auch in anderen Ländern, und auch in Deutschland hat es solche Sinnkrisen ja gegeben, zuletzt in Ostdeutschland seit dem Fall der Mauer und der Wende, was nach meinem Erleben ungefähr das Niveau der schwedischen Krise hat(te), nur eben 10 Jahre früher.
Allerdings glaube und hoffe ich, dass die SD (und auch die AfD), das Wachsen der Töchter der USPD und die Entideologisierung der demokratischen Parteien (die drei Phänomene glauben ich gehören zusammen, zumindest in Deutschland, aber vermutlich auch in anderen Ländern) temporäre Phänomene sind, die sich legen, wenn die Krise gelöst ist.
Aber: Den som lever får se.

//M

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„Drei Dinge sind unwiederbringlich: der vom Bogen abgeschossene Pfeil, das in Eile gesprochene Wort und die verpaßte Gelegenheit.“
ʿAlī ibn Abī Tālib


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 17:31 
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vibackup du vergisst zu schreiben wieviel Leute jährlich in D wegen falscher Behandlung oder den Krankenhauskeimen sterben. Die Krankenhauskeime/Sjukhussjuka in Deutschland sind ein grosses Problem.

Ich wurde Ende Oktober 1982 hier falsch behandelt und ein guter Freund fuhr mich nach Bayern zu meinen Kindern. Eine tochter hatte schon einen Termin bei einem Facharzt bestellt aber der schickte mich gleich weiter und der auch wieder. Zum schluiss landete ich bei einem Ptofessor in München. Der wollte mich am Tage vor Heilig Abend operieren unter der Bdingung dass ich 4 Monate in der Nähe bleibe.

Ich fuhr wieder heim aber bat den Arzt was für mich zu finden das näher bei uns ist. Er ief mich an hier dass er mit einem Kollege in Hamburg gesprochen hätte und ich sollte mich dort melden.
Tat ich auch und der gute Mann meinte ab dem nächstem Tag sei mein Bett bereit für mich (klar ich hatte Zusatzversicherung.... )

Ich fuhr eine woche später nach Hamburg, eine schreckliche Fahrt mit einer gespitterten Schulter und gebrochenem Arm aber damals war ich noch stärker.

Als ich im Krankenhaus ankam, kaufte ich mir vorher noch eine Zeitung dort im Kiosk. Und wasd lese ich in der ????? 2-3 Seiten über alle Misserfolge dieses Krankenhauses. Ich war verzweifelt, was tun.

Aber ich ging wieder rein und legte die aufgeschlagene Zeitung aufs Bett als der Chefarzt reinkam um mich zu begrüssen. Er verstand wohl auch dass ich Angst hatte. Wir haben lange alles durchgespårochen aber Schiss hatte ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 17:57 
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vibackup du vergisst zu schreiben wieviel Leute jährlich in D wegen falscher Behandlung oder den Krankenhauskeimen sterben. Die Krankenhauskeime/Sjukhussjuka in Deutschland sind ein grosses Problem.

Ich wurde Ende Oktober 1982 hier falsch behandelt und ein guter Freund fuhr mich nach Bayern zu meinen Kindern. Eine tochter hatte schon einen Termin bei einem Facharzt bestellt aber der schickte mich gleich weiter und der auch wieder. Zum schluiss landete ich bei einem Ptofessor in München. Der wollte mich am Tage vor Heilig Abend operieren unter der Bdingung dass ich 4 Monate in der Nähe bleibe.

Ich fuhr wieder heim aber bat den Arzt was für mich zu finden das näher bei uns ist. Er ief mich an hier dass er mit einem Kollege in Hamburg gesprochen hätte und ich sollte mich dort melden.
Tat ich auch und der gute Mann meinte ab dem nächstem Tag sei mein Bett bereit für mich (klar ich hatte Zusatzversicherung.... )

Ich fuhr eine woche später nach Hamburg, eine schreckliche Fahrt mit einer gespitterten Schulter und gebrochenem Arm aber damals war ich noch stärker.

Als ich im Krankenhaus ankam, kaufte ich mir vorher noch eine Zeitung dort im Kiosk. Und wasd lese ich in der ????? 2-3 Seiten über alle Misserfolge dieses Krankenhauses. Ich war verzweifelt, was tun.

Aber ich ging wieder rein und legte die aufgeschlagene Zeitung aufs Bett als der Chefarzt reinkam um mich zu begrüssen. Er verstand wohl auch dass ich Angst hatte. Wir haben lange alles durchgespårochen aber Schiss hatte ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 19:33 
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Die Sicht auf das eigene Land oder auf ein anderes ist ja,wie vieles im Leben, oft nur so ein Bauchgefühl.

Ich versuche ein paar Fakten zu bekommen, was die tatsächlichen Unterschiede ausmacht oder das Bauchgefühl verständlich macht.
Eine interessante, weltweite Quelle für den Vergleich fand ich hier: http://www.globalis.se/Statistik

Schaut man sich den prozentualen Anteil der Bevölkerung in den Städten an, so stieg der bis 1985
in Schweden viel stärker an, als in Deutschland, da fand ein schleichender Wandel statt
von 1950 rund 65, 7 % zu 68.1
über 1985 mit 83, 1 % zu 72,7
auf 2015 bis 85,8 % zu 74,5
da kann man sagen, Schweden hat sich von 1950-1985 radikal umstrukturiert (verstädtert), denn die Bevölkerung ist insgesamt eher gleichmäßig stark angewachsen von etwa 7, 0 über 8,4, bis 9.7 Millionen in 2015
Deutschland hat natürlich insgesamt eine höhere Bevölkerungsdichte, aber viel gleichmäßiger verteilt.
Die Bevölkerung wuchs von70,1, über 78,9 auf 82,6 Millionen Einwohner
Deshalb kommt uns Schweden ja in bestimmten, ländlichen Regionen so leer vor - und deshalb suchen wir das.

In Deutschland ist die Bevölkerung nicht nur insgesamt gleichmäßiger verteilt, sondern auch nicht so in wenigen großen Städten oder Kommunen konzentiert.
Daraus müssen sich zwangsläufig Unterschiede im Versorgungsangebot ergeben.
Auch alle folgenden Länder haben eine höheren Bevölkerungsanteil in Städten als Deutschland, da finden sich dann mehr "Lücken" auf dem Land oder in unberührter Natur, da ist es einfach nicht so eng.
Belgien, Island, Frankreich, Dänemark, Finnland, Norwegen, Spanien, Italien, Österreich, Schweiz.


M :YY:

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Kennt ihr unsere Galerie?
Meine Rätselfotos ab 2012 seht ihr
nach und nach in meinem Album.


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 21:24 
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framsidan hat geschrieben:
vibackup du vergisst zu schreiben wieviel Leute jährlich in D wegen falscher Behandlung oder den Krankenhauskeimen sterben.

Ich kenne die Zahlen nicht; hast du da vergleichende Ziffern für beide Länder?

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ʿAlī ibn Abī Tālib


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 21:44 
Hej Iamborn (Michael) :D

Danke für alle Posts die Du heute mittag eingestellt hast. Sehr sehr informativ und geben, zusammen mit vibackup's Post vor einigen Tagen über das ähnliche Thema, noch mer "wissen" für mich. (Denn es ist tatsächlich eine ehrliche Frage, mit der ich diesen Thread startete).

Ich habe alle Deine Links durchgelesen, auch die ganze Arbeit von Lisa Larsson. Besonders diese Zeile, in der Zusammenfassung, sagen "es".

" In der Analyse dieser Arbeit wurde deutlich, dass in den Rezensionen schon bekannte Bilder von Schweden zum Ausdruck kommen."

Das fertige Schwedenbild mit positiven Merkmalen. Lebt ewig? :wink:

Und die Links die das Deutschlandbild von den Schweden behandeln, auch sehr intressant zu lesen! Diejenigen die wirklich nur Deutschlands Autobahn kennen, können nicht viel sagen. Aber ich habe schon mehrere Reiseberichte im Netz von schwedischen touristen gelesen, die entweder aus Zufall oder kurz geplant, einen Abstecher von der Autobahn machten - und positiv überrascht wurden. Genauso eine schw.Familie in D die Besuch aus S bekamen. "Das wussten wir nicht, das es so schön in D ist" etc etc
Aber wie in dem einen Link, gilt allgemein D als 'uncool'. Bis man dahin kommt, und tatsächlich mit eigenen Augen erlebt, das D alles andere als uncool ist. In Berlin, in der Sbahn, sieht man sehr oft schweden -insbesondere Junge Menschen aus Stockholm- die sich am Alexanderplatz treffen um in coole geschäfte zu shoppen :smile:

Auch Reiseanordner machen Reklame an Kinderfamilien; Ausflüge zum Hansapark mit günstigen kombinationstickets der TTline, oder längere Ausflüge zum Heidepark oder sogar Europapark. Und ich muss es zugeben, in den Deutschen Parks ist es günstiger. Ein Eintrittpreis und dann fertig. Hier in S muss man noch zusätzlich für die Attraktionen bezahlen. Wird eine teure Geschichte.

Ja, es gibt schon der eine und andere Schwede, der über dieses Paradiesbild von S etwas lächeln muss. "Vad gulligt" sagte eine meiner Freundinnen, die ich heute Abend zur Besuch hatte - und wir haben über dieses Thema diskutiert. Ja, ein Teil von mir findet es auch "gulligt". Aber ein anderer Teil von mir möchte sagen, wieder und wieder: Es ist ja nicht so!! Das Bild ist total falsch!!

Die Geschichte, die Hintergründe sind ja immer sehr wichtig wenn man etwas verstehen möchte.
Danke noch einmal :perfekt:

Lg
Daniella


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 Betreff des Beitrags: Re: WARUM nach Schweden?
BeitragVerfasst: Sa, 09 Jul, 2016 22:09 
Guten Abend Framsidan,

Ja danke tvättstuga ist fertig, es wurde alles bisschen stressig weil noch zwei Freundinnen spontan vorbeikamen!

Wollte nur noch was zum Thema Fleisch in Citygross; also bei Vårt Kött (eller liknande) auf der Webseite steht von dem Vacuumverpackten Fleisch. (Und ich sage ja auch nicht jetzt, das es schlecht ist weil es eben so verpackt ist- nur es ist nicht das gleiche wie frisches).
Ich möchte Dir auch sagen, dass ich Dir (Dich?) glaube! Kann mir vorstellen, sie haben beides.

Und dennoch; schön dass Du 22 Jahre den selben Arzt bei Deiner Vc hattest! Wahrscheinlich ungewöhnlich. Selbst habe ich und meine Kinder die Rechnung verloren, es sind X anzahl nur die letzten 5 jahren :-P

Viele Grüße,
Daniella


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