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Montag, 10 Kilometer von Njunjes nach Bobäcken (dem Bootsanleger nach Kvikkjokk):
Hurra, letzter Tag! Heute abend endlich nach neun Tagen wieder eine warme Dusche und frische Klamotten! Draußen stürmt es immer noch wie blöde und viel wärmer als gestern ist es auch heute morgen nicht. Eigentlich allerbeste Voraussetzungen, um den vorgenannten Ruf der Freude, das „Hurra“, tatsächlich herauszuschreien. Aber ist da nicht doch ein wenig Wehmut, dass es in ein paar Stunden nun vorbei sein wird? Unsere erste richtige Wanderung mit alle den Licht- und Schattenseiten, die dazugehören und die uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben werden? Ich weiß nicht, ob ich traurig oder glücklich sein muß, aber... "Wir haben uns entschlossen, auf Euer Angebot einzugehen", werde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen. Häh, wie jetzt, was jetzt? Welches Angebot? Ach ja, Åland - hatte ich völlig vergessen! Ich hatte den Schwarzwäldern von unserem "Domizil" auf Åland erzählt und ihnen angeboten, ein paar Tage gemeinsam mit uns dort zu verbringen. Vorher wollten wir in Årrenjarka, dem schönsten Campingplatz der Welt, 15 km von Kvikkjokk entfernt, die Wanderung gemeinsam am Lagerfeuer ausklingen lassen. Dort gibt es eine Schwimmsauna und die Campinghütte hatte ich vor der Wanderung schon fixgemacht. „Schön, freut mich“, antworte ich. Wir verabreden uns für Bobäcken und lassen uns einander ein wenig Vorsprung.
Eigentlich, so heißt es, soll die letzte Etappe nach Bobäcken ein langweiliger Weg sein. Das, kann ich aber überhaupt nicht nachvollziehen. Vielmehr sind diese letzten 10 Kilometer ein würdiger und toller Ausklang einer schönen Kahlfjällwanderung. Der Wald wird dichter, die Wiesen voller und die Landschaft lieblicher. Vergessen ist der eiskalte Sturm von heute morgen. Es geht durch Sümpfe, über breite bequeme Trampelpfade und ist ein herrlicher Spaziergang. Die Sonne scheint und es wird angenehm warm. Die letzten Mücken des Jahres versuchen ihr Glück an uns, doch US622, unser neues Mückenmittel aus Staloluokta, wehrt jeden Angriff erfolgreich ab. Da ist die letzte Hängebrücke, dort der letzte Wildfluss – an einer schönen Stelle mit Stromschnellen lassen wir uns für einige Zeit die Sonne auf den Pelz brennen. Bald kommen wir an den Überresten eines alten Hofes vorbei, ein wenig dahinter scheint wohl jemand ganzjährig zu wohnen. Schilder davor mahnen, man solle Abstand halten und hier bitte nicht campieren. Hurra, die Zivilisation hat uns wieder! Kurz vor Bobäcken laufen wir durch einen märchenhaften Farnwald und dann kommt auch schon der Bootsanleger – die Wanderung ist zu Ende: Der Anfang vor 140 Kilometern ist weit weit weg und kommt uns wie eine ganze Ewigkeit vor!
Die Franzosen sitzen schon dort und telefonieren mit dem nächsten Flughafen – war wohl das erste und letzte Mal Lappland bei denen. Auch die Verrückten aus Såmmarlappa, die morgens ins Wasser gesprungen waren, sind schon da. Bald treffen auch die Schwarzwälder ein und gegen 13 Uhr kommt Björn Sarstad um uns mit seinem Boot nach Kvikkjokk zu bringen. Er erkennt mich tatsächlich wieder, als ich ihm die Rucksäcke aller Wanderer ins Boot reiche. Dabei stelle ich fest, dass die anderen offenbar gar nichts dabei hatten, vom Gewicht her jedenfalls zu urteilen. Kein Wunder, dass die alle so schnell unterwegs sein konnten. Im nächsten Jahr müssen wir unbedingt irgendwie unser Gewicht reduzieren!
Björn setzt uns beiden ein Stückchen weiter ab, da wir ja zum Hubschrauberlandeplatz kommen müssen. Dort angekommen, verstauen wir die Säcke, schnallen die Fahrräder wieder ans Heck und machen uns auf den Weg nach Årrenjarka. Die Fahrt auf der nagelneuen Straße kommt uns unheimlich schnell vor... jedenfalls so lange, bis ich merke, dass der Bus von Länstrafiken in unserem Heck „etwas“ drängelt. Ich beschleunige auf gut 70 km/h – was für eine irre Geschwindigkeit! Und das mit soviel Gepäck auf dem Rücken! Wir haben tatsächlich 9 Tage lang ein Auto weder gesehen noch gehört. Es kommt mir fast vor wie in einem Traum, als wir die Tür zu unserer Campinghütte hinter uns zuziehen. Die Füsse mußten keine Unebenheiten ausgleichen, was für ein komisches Gefühl, so auf geradem Boden zu gehen. Strengte überhaupt nicht an. Ich dusche mindestens eine Stunde und bereite das Feuer für den Abend vor. Wir wollen noch einen weiteren Tag hier bleiben und gehen erst morgen in die Schwimmsauna. Ein bißchen Luxus nach all den Tagen der Entbehrung; wir haben es uns verdient. Übermorgen werden wir beide, zum ersten Mal überhaupt, mit dem Gefühl einer "Nordland-Sättigung" südwärts fahren. Das soll dann auch die letzte neue Erfahrung für uns in diesem Sommer gewesen sein: In all den Jahren zuvor hatten wir beim Abschied von Lappland immer große Trauer empfunden - dieses Mal nicht!
Danke Schweden, danke Samen für die Erhaltung einer wunderschönen Landschaft: Padjelanta – wir kommen wieder!
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