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 Betreff des Beitrags: Norweger müsste man sein...
BeitragVerfasst: Fr, 11 Aug, 2006 11:42 
Hej!
Den Artikel hab ich heute entdeckt.Schon interessant. :roll:

Gruß,
Sven

Norweger müsste man sein…

…letztens im Biergarten habe ich mich mit meinem norwegischen Bekannten Geir (spricht sich in etwa „Gehr“ aus, im Freundeskreis wird er „Geier“ genannt) über die norwegische Wirtschaft unterhalten.

Ich sprach ihn auf den norwegischen Ölfonds an. Und ja, da kannte er sich gut aus. Wir konnten beide ein wenig fachsimpeln, und die Fakten unseres Gesprächs gebe ich hier wieder (die Exkurse über die üblichen Themen wie Bier und Frauen lasse ich natürlich weg.) Also, um was geht es bei diesem Ölfonds (die Fakten habe ich selbstverständlich noch mal überprüft):

Norwegen ist neben Großbritannien das einzige westeuropäische Land mit bedeutenden Erdöl-Vorkommen, diese finden sich in der Nordsee. Das ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, was Norwegen mit den Einnahmen aus dem Erdöl-Verkauf macht:

Die wandern nämlich keineswegs in den normalen Staatshaushalt und werden ausgegeben. Nein, Norwegen hat einen Ölfonds, in den die Einnahmen aus den Erdöl-Exporten fließen. Denn die Norweger sind sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass Erdöl eine endliche Ressource ist. Und gerade in der Nordsee ist „Peak Oil“ – also der Förderhöhepunkt – bereits überschritten. Es wird immer weniger Erdöl aus der Nordsee geholt.

Insofern ist es nur konsequent, die Einnahmen aus Erdöl-Exporten nicht für die laufenden Ausgaben zu verwenden, sondern eine Rücklage für die Zukunft zu bilden. Das hat dazu geführt, dass dieser Ölfonds nun ein Volumen zwischen umgerechnet 160 und 200 Mrd. Euro hat. Das sind über 30.000 Euro pro Norweger!

Was tut der norwegische Ölfonds mit diesem gewaltigen Batzen Geld (und bitte nicht vergessen, dass Norwegen auch nur rund 4,7 Mio. Einwohner hat)?

Die Norwegen haben da – parteienübergreifend – folgende Lösung gefunden: Der Ölfonds soll dieses Geld im Ausland investieren. Damit soll verhindert werden, dass die norwegische Wirtschaft bzw. der norwegische Aktienmarkt heiß läuft (denn wenn für 150 Mrd. Euro norwegische Aktien gekauft würden…könnten Sie sich denken, was passieren würde). Und eine Blase, die später platzen könnte, wollen die Norweger nicht.

Also im Ausland anlegen. Breit gestreut. Und - und das gefällt mir ganz besonders gut: Ethisch korrekt. Denn Norwegen hat einen „Ethik-Rat“ eingesetzt, der darüber wachen soll, dass dieser Betrag ethnisch einwandfrei angelegt wird. Gro Nystuen, die Vorsitzende dieses Ethik-Rats, betont, dass noch keine norwegische Regierung die Arbeit seines Rates einschränken wollte, egal ob links oder rechts. Da besteht offensichtlich ein breiter nationaler Konsens, dass die im Fonds enthaltenen Beträge ethisch angelegt werden sollen. Geir bestätigte mir das. Auch die Öffentlichkeit wacht über die Arbeit des Ethik-Rates, da die norwegischen Medien dieses Thema aufgreifen.

Und Gro Nystuen und ihre Mitarbeiter fällen Entscheidungen: Gerade haben sie bestimmt, dass der Ölfonds Aktien an 7 Unternehmen verkaufen muss, da diese an der Herstellung von Atomwaffen-Teilen beteiligt sind. Das führte zu einer 400 Mio. Euro schweren Transaktion. Und im Juni beschloss der Ethik-Rat, Wal-Mart zu boykottieren, da der US-Einzelhandelsriese von Lieferanten beziehe, die Kinderarbeit tolerieren. Auch ein Rohstoff-Unternehmen, welches bei der Kupferförderung in Indonesien das Grundwasser verpestet, wird boykottiert (d.h. dessen Aktien werden vom Ölfonds nicht gekauft).

Was ich ebenfalls gut finde: Diese Entscheidungen werden den jeweils betreffenden Unternehmen mitgeteilt, inklusive Begründung. Gut, einen Riesen wie Wal-Mart dürfte das nicht kümmern…aber immerhin: Der norwegische Ölfonds ist mindestens 150 Mrd. Euro schwer und mithin ein institutionelles Schwergewicht. Wenn so ein institutioneller Investor ethische Grundsätze verkündet und sich danach richtet, dann hat das erheblich mehr Gewicht als bloße Appelle in Sonntagsreden.

Und halten wir fest: Letztlich ist die Entscheidung zur Einführung des Ölfonds und zur Einsetzung des Ethik-Rates eine moralische Entscheidung auf politischer Ebene.

Ja, das gibt es!

Ach, Norwegen, Du hast es besser (auch wenn das nach "Jammern auf hohem Niveau" klingt).

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,

Ihr

Michael Vaupel


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Fr, 11 Aug, 2006 20:37 
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Beiträge: 174
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Interessante Informationen - aber keine Sensation.
SPIEGEL- und FOCUS-Leser sind über diesen Sachverhalt schon seit längerem in Kenntnis. Man möchte wirklich lieber NORWEGER sein als ein Rentner in der BRD - trotz oder wegen Nobbi Blüm und seinem "die Renten sind sicher"! (Da meinte er aber wahrscheinlich nur seine persönliche Altersabsicherung!)
pilgrim

_________________
Die Zusammenhänge sind deutlich, wenn ich auch nicht weiss, welche Zusammenhänge. (Günter Eich 1968)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Sa, 12 Aug, 2006 19:05 
Tach,

darum wollten die Norgis wohl auch nicht zur EU. :YYAE:
Da wären die Ersparnisse wohl zu schnell verpulvert worden.

Rolf


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 14 Aug, 2006 18:20 
Ist es ethisch vertretbar so viele Wale zu fangen ?
/T.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 20 Aug, 2006 16:33 
Targa hat geschrieben :
"Ist es ethisch vertretbar so viele Wale zu fangen ?
/T."

Sorry, ich bin auch Tierfreund. Aber was hat dies mit den interessanten Ausführungen zu tun?
Meiner Ansicht nach gar nichts, da dies ein ganz anderes Thema ist.

Didi


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 27 Aug, 2006 15:14 
Fand ich, gibt es zu bedenken.
Musst Du ja nicht lesen, wenn Du's nicht hören willst.
/T.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 27 Aug, 2006 18:05 
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Beiträge: 11317
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musst du ja nicht schreiben wenn es unpassend ist

mfG.
Ingo

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 27 Aug, 2006 18:54 
Hej,

ich kann mich dem nur anschließen.
Eine wirklich interessante Politik und Einstellung der norwegischen Regierung.
Bis jetzt wuste ich nichts darüber. Deswegen finde ich solche Info´s besonders toll, da man nicht immer über alles bescheid wissen kann. (Ich komm auch nicht immer dazu, alles zu lesen !)

Danke für die Information.


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