Bisher hab ich ja Eure Kommentar nur interessiert mitgelesen (Danke an alle dafür!).
Aber nun gibt es hier doch eine Diskussion - also melde ich mich nochmal aktiv.
@findus - Ich kann Dir in keinem Detail widersprechen. Du empfindest die gleichen Dinge und bewertest sie etwas anders als ich. Das kann nur an daran liegen, dass wir beide unterschiedliche "Typen" sind. Auf jeden Fall ein Dankeschön für den anderen Blickwinkel in diesem Thread...
findus hat geschrieben:
auch wenn ich sehe dass die art und weise hier beziehungen zu haben halt auf gleicheit beruht. entweder bist du einer von denen oder halt nicht. als erster schritt der gleicheit ist gleiches aussehen halt schonmal förderlich. sie erscheinen mir andersaussehenden (ethnik) eher abgeneigt. und anderen sozialen umgangsformen sowiso.
100% Zustimmung - aber das ist leider genau ein Punkt, der mich irgendwie verschreckt. Uniformität liegt mir nicht so recht. Ich mag "anders aussehende", "anders denkende" und "anders lebende" Menschen irgendwie. Es macht das Leben so erfrischend interessanter. Psychologen müssen in Schweden verdammt gelangweilt sein.
Übrigens: Es scheint auch den Schweden nicht unbedingt in die Gene gelegt zu sein. Es gibt so Plätze im Stadtzentrum, die sind voll von bunten jugendlichen Vögeln - schriller geht es kaum. Ich hab mich aber mal "unter sie gemischt" - das sind keine verkrachten Existenzen. Die finden nur ihre uniforme Gesellschaft so furchtbar beengt. Aber irgendwann kriegt sie diese Gesellschaft eben doch ins Raster gepresst...
Noch eine andere Anmerkung, weil sie vielleicht hier hingehört: Große schwedische Firmen wie mein Arbeitgeber agieren Mitarbeitern gegenüber nach genau diesem schwedischen Ansatz - alle sind gleich, können das gleiche und sind damit beliebig um- und ersetzbar. Es ist mitunter schon erschreckend, wie selbstverständlich hier Leute intern auf andere Positionen versetzt werden. Hier fragt niemand nach Stärken und Schwächen, weil man nicht erkennen will (oder kann), dass eben nicht alle Menschen gleich (veranlagt) sind. Wenn ich bei einer der vielen Umorganisationen so argumentiere, werde ich von schwedischen Kollegen jedesmal schief angeguckt. Leider erzeugt diese Herangehensweise ein schwer ertragbares Mittelmaß in der Ausübung der täglichen Arbeit. Das ist aber ein sehr persönlicher und vielleicht nicht für den gesamten schwedischen Arbeitsmarkt repräsentativer Blick.
findus hat geschrieben:
ich finde die männer hier jedenfalls im gesammten viel viel emotionaler(=wärmer) als in deutschland. sowohl im umgang mit ihren kindern als auch im umgang mit anderen männern.
Jep - ich sag's mal mit meinen Worten: Es gibt deutlich weniger Alpha-Tiere mit aufgestellten Pfauenfedern. Das "Balzen" scheint hier auf so subtile Art und Weise zu erfolgen, dass es mir bisher gar nicht sichtbar wurde. Insofern warte ich gespannt auf den Frühling und die "Hormon-Saison". Vielleicht lerne ich dann noch was dazu. Das mit den Bienen und den Blumen muss ja funktionieren - Kinder hat's hier jede Menge.
Wer als Mann weniger Zeit mit der Balz und der Abwehr von Revier-Eindringlingen verbringen muss, der kann natürlich weicher und "besser in der Brutpflege" sein. Ich meine das durchaus positiv (man entschuldige meine mir eigene Bildsprache).
Allerdings würde auch folgende Situation zum Land passen:
Zwei junge Mädels treffen sich und die eine sagt der anderen, sie hätte einen neuen Freund. Wenn die andere jetzt fragen würde, "...und, wie ist er so?", ist die bestmögliche Antwort vermutlich, "..ach, ganz normal." - Vermutlich würde aber schon die Frage nicht gestellt werden, weil die Antwort so naheliegend ist. - Meine Sturm-und-Drang-Zeiten waren aber irgendwie feuriger... so lange ist es ja noch nicht her.
findus hat geschrieben:
schön ist es hier, kalt und einsahm und doch so warm bei bedarf:-) [aber definitif nicht für jedermann (z.b. meine argentinische nachbarin).]
Wenn sie eine wasch-echte Argentinierin ist (merke: ich hab da auch ein gutes Jahr gearbeitet), dann muss es für sie die Hölle sein...

Zum Thema Neugier: Ohne etwas zu verbergen, kann es keine Neugier geben. Wenn also alle Daten offen zugänglich sind, wird keiner drin rumschnüffeln. Das ist meine Erklärung für die fehlende Neugier nachdem ich das Thema offen und oft mit meinen Kollegen diskutiert habe.