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Mit Interesse habe ich diesen Thread verfolgt und über Eure Erfahrungen mit Sprachkursen/SfI gelesen.
Es gibt viele Möglichkeiten, eine Sprache zu lernen, SfI ist nur eine davon. Ich selbst habe einen schwedischen Lebensgefährten und innerhalb von drei Monaten im Land (ohne Kurs und große Vorkenntnisse) die Sprache soweit beherrscht, daß ich mich gut verständigen konnte. Diejenigen von uns, die Schwedisch als "Familiensprache" haben, sind natürlich im Vorteil, weil wir viel Schwedisch sprechen und hören. Aber auch das passiert nicht automatisch.
Wir haben uns am Anfang auf Englisch verständigt, irgendwann kam dann mehr und mehr Schwedisch hinzu. Ich hatte nie den Gedanken "Erst ein Jahr die Sprache lernen, dann Jobsuche", wie einige hier. Es war sogar förderlich, nicht nur in der Familie Schwedisch sprechen zu müssen, sondern auch außerhalb. Natürlich muß man sich da durchbeißen, aber solange es etwas anders als nur die schwedische Sprache ist, was bei der Arbeit im Vordergrund steht, geht auch das (mit ein paar Grundkenntnissen, da reichen auch ein paar Wochen). Wer natürlich in einem Callcenter arbeiten möchte oder viel Kundenkontakt hat, braucht solide Kenntnisse.
Daneben gibt es immer auch Saisonjobs, bei denen man schnell außerhalb der eigenen vier Wände Schwedisch lernen kann und zugleich etwas verdient. Ich kenne einige Leute, die den SfI-Kurs nach einiger Zeit beendet haben und einen Sprung ins kühle Wasser gewagt haben. Was kann da schon groß passieren? Sobald Dein Gegenüber merkt, Du gibst Dir Mühe, wird er Dir helfen, wenn Du etwas nicht verstehst... Im Notfall fragt man eben nach oder sagt etwas auf Englisch - zum Glück sind dessen ja die meisten Schweden mächtig (umgekehrt hat man da als Schwede in Deutschland wirklich Probleme).
Wer ein gutes Gespür für Sprache hat, braucht keine Grammatikregeln, er wird all das intuitiv lernen. Ein anderer wird vielleicht einen Kurs brauchen, um schnell eine Basis zu haben. Auch da gilt, egal ob SfI oder Volkshochschule, wenn der Lehrer toll ist, geht auch das Lernen viel schneller...
Ob Familiensprache oder Intensivkurs - um ein wenig Disziplin kommt man nicht herum. Es ist einfacher, doch schnell etwas auf Englisch zu sagen oder auf Deutsch, statt im Kopf nach dem passenden Wort zu kramen. Ganz zu schweigen von hitzigen Diskussionen am Küchentisch, die einem auf Schwedisch nicht so leicht fallen. Was auch gut ist, dadurch wird alles ein wenig mehr lagom und bekommt die deutsche Direktheit einen kleinen Dämpfer.
Ich fand es am Anfang auch mühsam, Nachrichten oder Filme auf Schwedisch zu sehen, es hat mich regelrecht erschöpft, aktiv zuzuhören. Aber nur mit dieser Mühe lernt man die Sprache auch. Es gibt auch in Deutschland viele schwedische Filme, die man sich im Originalton (und mit deutschen Untertiteln) anschauen kann. Wenn ich in der alten Heimat bin, schaue ich jeden Morgen im Internet auf SVT Sydnytt, dadurch weiß ich, was bei uns geschieht und bekomme meine Portion Schwedisch.
Nach zwei Jahren Pendeln (noch einen Fuß in D, den Rest in Skåne) spreche ich so breiten Dialekt, daß man glaubt, ich wäre dort zwischen Kühen und Kürbissen aufgewachsen. Und das ging in meinem Fall auch ohne Kurs und Vokabellernerei, aber mit viel Neugier, offenen Ohren und Interesse, ein Land kennen zu lernen.
Herzlichen Gruß,
Emilia
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