Ich halte ebenfalls recht Wenig davon, hier eine gesamte Bevölkerungsgruppe zu verallgemeinern. Und diese dann als Faul zu bezeichnen ist dann schon eher beleidigend. Aber so ist es eben manchmal. Genauso gibt es in Schweden Vorurteile gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen und bezeichnend im Bezug auf Deutsche ist wohl, dass das Wort "Besserwisser" ins schwedische übernommen wurde.
Gerade vorherige Woche habe ich mit dem VD eines schwedischen Konzerns über die Abläufe und Organisation in schwedischen und deutschen Konzernen diskutiert, weil dieser sehr imponiert war.
Dabei gibt es trotz unterschieden doch sehr viele erfolgreiche Firmen in Schweden.
Insgesamt sind sich Schweden und Deutsche gar nicht so verschieden. Allerdings gibt es einige feine Unterschiede. Da ist z.B. der Umgang miteinander zu nennen. Ich halte die schwedischen "weichgespülten" Verhältnisse für gesünder. Auch wenn es für andere evtl. so aussieht, dass alles immer nut gut und toll ist, kann man sicher sein, dass der Schwede normal genau weiss, ob eine abgelieferte Arbeit als gut oder schlecht empfunden wurde. Hier gilt es ein Fingerspitzengefühl dafür zu entwickeln. (Das ist evtl. vergleichbar mit deutschen Führungszeugnissen. Die hören sich auch immer positiv an.)
Dies ist also eine nicht ganz einfache Aufgabe, wenn man sich in Schweden Integrieren will.
Vorgehensweisen wie diese
Axel hat geschrieben:
Alles ist immer "bra", alle sind "duktig" und wenns dann noch "lagom" ist.... das ist in meinen Augen schlicht verlogen.
Wenn etwas "Scheisse" gelaufen ist, dann ist es "Scheisse" gelaufen und dann sag ich das auch und zwar deutlich und danach ist gut. Ich weiss, man macht sich damit nicht immer Freunde, aber damit kann ich leben.
helfen da keineswegs weiter und sind kontraproduktiv. Da landet man bei Schweden direkt in der Schublade "Tyska besserwisser".
Was dann noch erschwerend hinzu kommt ist, dass Schweden dabei dann noch eine positive Bemerkung hinterlässt obwohl er den "Tyska Besserwisser" nur als peinlich empfindet.
Ich habe gelegentlich mit deutschen Handwerkern in Schweden zu tun. Diese tun sich oft sehr schwer Aufträge zu bekommen. Und wenn Sie dann Aufträge ausführen, gibt es oft Probleme, da deutsche Vorgehensweisen und Lösungen angewendet werden. Auch wenn das in manchen Fällen besser oder evtl. auch manchmal schlechter ist, wurde die Arbeit nicht so ausgeführt wie gewünscht. Hier merken wir oft, dass die deutschen nicht bereit sind Arbeiten den schwedischen Verhältnissen anzupassen, weil die deutschen von Ihrer Vorgehensweise überzeugt sind. Was passiert also? Sublade "deutscher Besserwisser" auf und hinein mit dem deutschen Handwerker.
In vielen Bereichen sind Schweden mit wenig zufrieden und die Ansprüch sind nicht so hoch. Es reicht oft wenn Dinge einfach nur funktionieren. Hier kommt mir immer "0815" in den Sinn. Auf derartiges trifft man immer und überall. Vieles wird nicht so "verbissen" gesehen.
Ich gebe zu, dass ich damit auch oft so meine Probleme habe und muss mich immer wieder selbst daran erinnern att lugna ner mig.
Das ganze hat mit Faul wenig zu tun sondern viel mehr mit feinen Unterschieden in der Mentalität.
Zum Thema weichgespült hab ich auch noch ein Erlebnis:
Ich hatte einen Bekannten gebeten mich zu korrigieren, wenn ich etwas falsch sage. Dieser freundliche Schwede tut dies tatsächlich auch regelmässig. In einem Dreiergespräch fragte diese dritte Person meinen Bekannten plötzlich wieso er mich immer korrigieren würde und empfand dies als unfreundlich.
Und ich erlebe oft, dass Schweden einen für das gute Schwedisch loben, welches man spricht auch wenn man selbst weiss, dass es noch viele Defizite gibt. Wenn man aber mal drauf achtet, werdet ihr merken, dass viele Schweden einen auf sehr charmante Art versuchen zu korrigieren, indem sie das, was man zuvor falsch gesagt hat, kurz darauf selbst richtig in einem eigenen Satz verwenden.
Dies alles gibt nur allein meine persönliche Erfahrung wieder. Möglicherweise habt ihr andere gemacht.
/Bonpland