...meine ganz persönliche Auswanderungsgeschichte. Ich dachte, ich schreib sie mal hier rein, dann kann sich jeder sein eigenes Bild machen.
Vorab sei gesagt, dass wir einige Fehler gemacht haben. Gott sei Dank hatten wir soviel Glueck, dass sich alles eingerenkt hat. Dieses Glueck hat aber möglicherweise nicht jeder.
So, nun aber los:
Meine ersten Urlaube in Schweden verbrachte ich mit meinen Eltern. Als Teenie hatte ich dann keine Lust mehr, mit meinen Eltern in Urlaub zu fahren, und so kam es, dass ich einige Jahre nicht nach Schweden gekommen bin. Im Jahr 1999 haben dann mein jetztiger Mann und ich unseren ersten gemeinsamen Urlaub hier verbracht. Und im Jahr darauf unseren zweiten. Nach dem zweiten Urlaub Weihnachten/Silvester 2000/2001 hatte ich das erste mal den Gadanken auszuwandern. Ich habe das meinem Mann auch gesagt, und er hat mich fuer bescheuert erklärt. Zumal ich auch schwanger war. Nun ja, dann hab ich das ganze in meinem Kopf ganz hinten abgelegt. Im Januar 2002 waren wir dann zusammen fuer 3 Wochen hier. Ich hab kurzerhand noch 3 Wochen draufgepackt.
Da kam der Gedanke Auswandern wieder aus den tiefen meines Hirns. Nach meiner Heimkehr haben wir uns dann ernsthaft zusammengesetzt und darueber geredet. Diese Diskusion zog sich ueber knapp 3 Jahre hin. In unserem "letzten Urlaub" im September 2004 (ich wieder schwanger) fiel dann die Entscheidung:
Wir wandern aus.
Zuerst haben wir uns nach einer Wohngelegenheit umgesehen. Dieses Problem war schnell erledigt, da meine Eltern (die verbringen ihren Lebensabend hier) von ihren deutschen Freunden wussten, dass ebendiese ein Haus zu vermieten haben. Dann die Frage nach Arbeit. Ich wollte ja noch bischen "Mammaledig" machen aber irgeneiner muss ja fuers tägliche Brot sorgen. Unser zukuenftiger Vermieter hat meinem Mann ein Vorstellungsgespräch in der Nähe (wenn man 50 Km "als in der Nähe" bezeichnen kann) bei einer grossen Werkstatt besorgt. Den Vermieter hat er als Dolmetscher mitgenommen, weil er kein Wort schwedisch gesprochen hat, mein Mann. Wir dachten, auf einen Mann, der seit Jahren hier wohnt und arbeitet kann man sich verlassen.
Es wurde zugesichtert, dass mein Mann im September 2004 anfangen kann. Aber nur muendlich, schriftlich haben wir uns nichts geben lassen. Was natuerlich absolut dämlich war.
Wir also mit guter Laune und frischem Tatendrang nach Schweden uebergesiedelt. Eingezogen in das von Grund auf renovierte, halbfertige Haus. Man hatte uns versprochen im August ist alles fertig. Im November ist es dann (Aufgrund von Mietkuerzungen) endlich fertig geworden. Das als kurze Anmerkung.
Mein Mann hat den SFI Kurs besucht und wir haben jeden Tag auf eine Nachricht aus Kalmar gewartet. Inzwischen war es Mitte August. Nachgefragt und Schock: Wir haben Ihnen nie versprochen, dass Sie hier anfangen können. Wir haben gar keine Arbeit im Moment. Unsere eigenen Leute stehen schon rum.
So, das war dann die Krönung zu dem ganzen anderen Scheiss, den wir noch an der Backe hatten.
Unsere Ersparnisse wuerden auch nicht mehr so lange reichen.
Dann eben bei allen Autowerkstätten im Umkreis bewerben. Was kam, ist fast klar: Sie sprechen kein Schwedisch? Tut uns leid, wir können sie nicht einstellen. Sie können ja nicht mit den Kunden sprechen.
Die letzte Berwerbung dann in Växjö. Einfach 70 km. Egal, wir mussten es versuchen.
Wir sind da mit der ganzen Familie aufgetaucht. Mann, Frau und die 2 Kinder.
Der Werkstattchef hat uns äusserst freundlich empfangen. Ich habe ihn gefragt, ob er eine Chance sieht, dass mein Mann Arbeit bei ihnen bekommt. Er sagte, dass die Ausbildung meines Mannes sehr interessant ist. Er kann nichts versprechen, aber er versucht was er kann. Ob wir die Unterlagen da lassen können. Ja, können wir.
Das war am Freitag Vormittag Mitte September. Abends war dann da eine eMail: Välkommen till intervju hoss oss! Den Stein hat man in ganz Småland fallen gehört. Gleich am Montag sind wir wieder dahin (diesmal ohne Kinder). Und eine Stunde später konnte mein MAnn seinen Arbeitsvertrag unterschreiben.
Er ist da genau zur richtigen Zeit aufgekreuzt. In der Transporterwerkstatt waren nämlich beide Mechaniker krank. Einer hat nur 25% und der andere nur 50% gearbeitet. Arbeit war allerdings fuer mindestens 5 Mann da. Das war unser Glueck! Und mein Mann fuehlt sich wohl in seiner neuen Firma. Geld ist auch ok, wenns auch weniger ist, als in Deutschland (das wussten wir aber). Um mit den Worten des Werkstattchefs zu sprechen: Allt löser sig!Auch das Problem mit den 70 km. In diesem sinne wuensche ich allen einen schönen Abend!
Hälsningar, Tav.
